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Event-Report: Das Genius Loci Festival in Weimar

Das Genius Loci Festival in Weimar

Genius Loci – der Geist des Ortes – treffender hätte der Name für dieses Fassadenprojektionsfestival in Weimar nicht gewählt werden können. Bereits zum dritten Mal waren Künstler aus aller Welt eingeladen, sich darauf zu bewerben, eine von drei ausgewählten Fassaden mit ihrer Lichtkunst zu bespielen. Die Hauptaufgabe dabei: Nicht einfach nur Bilder an die Wand der Gebäude werfen, sondern sich mit ihnen auseinandersetzen, mit ihrer besonderen Architektur, mit ihrem Zweck, mit ihrer Geschichte – eben ihr Wesen, ihren Geist, einzufangen und in Form von Projektionen darzustellen. Diese Aufgabe wurde beim Genius Loci Festival 2014 in Weimar sehr gut umgesetzt.

Nur eines der eindrucksvollen Motive beim Genius Loci Festival in Weimar - hier am Herderplatz

Nur eines der eindrucksvollen Motive beim Genius Loci Festival in Weimar – hier am Herderplatz

Und so stand ich zwei Abende lang auf den verschiedenen Plätzen in Weimar – teilweise staunend, teilweise erschrocken, mitunter verwirrt, oder auch im Takt der Musik mitwippend – wenn der Geist der Gebäude durch die künstlerische Darstellung auf mich übergriff. Das ist sicher schwer zu verstehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Deshalb versuche ich mich an einer Beschreibung des Gesehenen:

Die drei Fassadenshows

Die erste Projektion sah ich mir am Herderplatz an. Hier stehen sich wortwörtlich Ohm Krüger, Burenpräsident Südafrikas und von Rassenvorurteilen durchsetzt, und Johann Gottfried Herder, Aufklärer, für den alle Menschen gleich waren, gegenüber. Unter dem Namen „Moya Façade“ griff die Gruppe Xenorama diesen Gegensatz auf und stellte ihn in Form farbenfroher afrikanisch angehauchter Motive auf der einen Seite und dunklen Schatten auf der anderen Seite dar. Mir persönlich hätte dieser Gegensatz noch stärker dargestellt werden können. Gerade die farbigen Motive waren doch sehr gefällig und vor allem hübsch anzusehen. Ein wenig mehr kritische Düsternis hätten der Installation nicht geschadet.

Vom Herderplatz aus zog es mich dann weiter zur Anna Amalia Bibliothek. Hier wurde die Show „Limen“ von mammasONica gezeigt. „Limen“ sollte hierbei einen Ort zwischen den Orten beschreiben. Ein Ort als Grenze, ein Ort zwischen Vergangenem und Neuem, ein Ort zwischen Werden und Sein. Wenn man bedenkt, dass der verheerende Brand der Bibliothek in diesem Jahr genau zehn Jahre her ist, und dass sie nun wieder in neuem Glanz erstrahlt, war dieser Ansatz genau richtig gewählt. Was in der Show dann folgte, war eine Flut an Bildern: verstörend, aufwühlend, einen in den Bann ziehend und durchaus beeindruckend. Nur: Es fehlte irgendwie der rote Faden – oder ich habe ihn nicht gefunden. Zumindest hat „Limen“ bei mir eines geschafft: Es ist die Show, über die ich wohl am längsten nachgedacht habe.

Klang- und Lichtkunst im Rücken von Goethe und Schiller - am DNT in Weimar

Klang- und Lichtkunst im Rücken von Goethe und Schiller – am DNT in Weimar

Die dritte und letzte bespielte Fassade war die vom Deutschen Nationaltheater (DNT). Die Projektion „Klang3“ griff Geräusche aus dem Theater (Fenster, Türen, Treppengeländer) auf und übertrug sie mit Sound und Licht auf die Fassade und auf das Publikum auf dem Theaterplatz. Bei dieser Show hatte ich vor allem eines: Spaß. In der Nachbetrachtung und nachdem die Erlebnisse ein paar Tage sacken konnten, hat mir die Show der Dresdener Gruppen ruestungsschmie.de und Soundselektor am besten gefallen – rein subjektiv betrachtet natürlich.

Damit ihr euch aber selbst ein besseres Bild machen könnt, mit Ton, hier ein kurzer Ausschnitt der Show:

Das Nebenprogramm

Neben den drei großen Shows bietet das Genius Loci Festival noch ein paar weitere Aktionen. Am Freitagabend lockte ein Clubabend mit namhaften DJs ins Weimaraner Gaswerk. Leider habe ich das verpasst, aber es soll sehr gut gewesen sein.

Ebenfalls am Freitag und auch am Samstag gab es einen Stadtrundgang, bei dem Kurzfilme an Häuserwände geworfen wurden. Unter dem Namen „A wall is a screen“ ging es an einem festen Treffpunkt los und der Rest der Route war nicht bekannt. Asche auf mein Haupt, auch das habe ich verpasst. Ich schiebe es einfach auf den Regen, der mich nicht rechtzeitig zum Startpunkt gelassen hat.

Am ehemaligen Künstlerhaus im Zeughof in Weimar konnten sich Nachwuchskünstler austoben.

Am ehemaligen Künstlerhaus im Zeughof in Weimar konnten sich Nachwuchskünstler austoben.

Was ich mir aber angesehen habe, war das Genius Loci Lab. Hier fanden Nachwuchskünstler im Hof des Künstlerhauses eine Spielwiese vor, an der sie sich gemeinsam austoben und ebenfalls Projektionen auf eine Fassade werfen konnten. Es gab kein festes Programm und keine der Vorführungen wurde wiederholt, aber das war auch einiges Spannendes darunter.

Eckdaten zum Festival

Das Genius Loci 2014 fand vom 15. bis zum 17. August statt. Die Shows an den Hauptfassaden wurden zwischen 21.30 Uhr und 24 Uhr gezeigt. Jede Show ging etwa 15 bis 20 Minuten, sodass man etwa zehn Minuten Zeit hatte, um zum nächsten Ort weiterzugehen. Im Jahr 2014 haben ca. 15.000 Menschen das Festival besucht und sich dabei auch nicht von teilweise heftigen Regenschauern abhalten lassen. Die Plätze von Weimar boten dabei immer ausreichend Platz für Mensch und Schirm, sodass ein Blick auf die Shows auch bei Regen gut möglich war 🙂

Fazit

Ich kannte bisher als Lichterfestival nur das Amsterdam Light Festival, das ich im Januar besuchen durfte. Am Freitagabend war Inka von blickgewinkelt an meiner Seite, die das Festival of Lights in Berlin gut kennt. Wir haben uns dann ein wenig über die drei Festivals ausgetauscht – unsere Meinung: Die Auseinandersetzung mit den Gebäuden findet bei keinem Festival so intensiv statt wie beim Genius Loci in Weimar. In Amsterdam gibt es sehr viele Lichtinstallationen und Skulpturen und überhaupt eher weniger Fassadenprojektionen. In Berlin sind die Projektionen wohl auch eher gefällig und hübsch anzusehen, als dass sie sich ernsthaft mit den Gebäuden beschäftigen. In diesem Punkt hat also Weimar ganz klar die Nase vorn.

Gespannte Stimmung vor der ersten Show am Herderplatz

Gespannte Stimmung vor der ersten Show am Herderplatz

Was mir darüber hinaus sehr gut gefallen hat: Das Genius Loci in Weimar ist ein eher kleines und dadurch familiäres Festival. Wenn das Wetter es zuließ, saßen Familien auf Decken auf den Plätzen und sahen sich die Shows an. Gundel von Thoringi merkte bei unserem Treffen noch an, dass sie sich wundert, dass es beim Festival nicht mehr Stände für Essen und Getränke gibt und das Festival damit mehr Volksfestcharakter erhält (verbessere mich, wenn ich dich falsch wiedergebe). Ich persönlich fand das sehr sympathisch. Für den Notfall gab es jeweils an jedem Platz einen Stand, an dem es zu Essen und Trinken gab. Aber der Fokus blieb ganz klar auf den Fassadenshows.

Das Genius Loci Festival ist ein idealer Anlass für ein Wochenendtrip nach Weimar. Für mich war es der erste Aufenthalt in der Stadt und da die Shows erst abends stattfanden, hatte ich tagsüber ausreichend Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Die beiden Abende in Weimar ließen mir dafür die Zeit, die verschiedenen Shows mehr als einmal zu sehen und sie dadurch noch intensiver aufzunehmen – nicht nur mit der Kamera 🙂 Insgesamt war das für mich ein rundum gelungenes Wochenende und ich komme gern im nächsten Jahr wieder, um mir dann die neuen Shows anzusehen.

Zum Auftakt des zweiten Abends leuchtete die Fassade des DNT in herrlich bunten Farben.

Zum Auftakt des zweiten Abends leuchtete die Fassade des DNT in herrlich bunten Farben.

Hinweis: Ich wurde vom Genius Loci Festival nach Weimar eingeladen, um über das Festival zu berichten. Ich war an dem Wochenende immer sehr nah dran an Künstlern und Organisatoren und möchte nicht ausschließen, dass einiges an Begeisterung von den Akteuren auf mich übergeschwappt ist. Ich denke aber, dass meine Meinung dennoch weitestgehend unbeeinflusst blieb.

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