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Dublin: Zu Fuß die Stadt erkunden

Der Esel am Fluss Liffey in Dublin

Ich verstehe es einfach nicht! So sehr ich mich auch bemühe, aber das Bussystem in Dublin ist für mich undurchschaubar. Wenn ich auf der Website oder in der App nach Verbindungen suche, werde ich nach den Nummern der Haltestelle oder nach den Busnummern gefragt. Den großen Überblick, welcher Bus wohin fährt, suche ich vergeblich. Nach drei Tagen gebe ich es auf und bewege mich nur noch zu Fuß durch die Stadt. Zum Glück liegen die Sehenswürdigkeiten so dicht beieinander, dass das problemlos möglich ist. Also, folgt meinen Fußspuren durch Dublin:

Keine Lust zu Scrollen? Dann hier PDF herunterladen und ggf. Ausdruck auf die Tour mitnehmen!

Direkt zur Route auf Wandermap.net!

Von St. Stephen’s Green bis Four Courts

Ich beginne den Tag im St. Stephen’s Green, dem großen Park mitten im Zentrum. Angestellte in Büro-Outfits nutzen den Park als Abkürzung auf ihrem Arbeitsweg. Jogger drehen ihre Runden auf den weitläufigen Wegen. Kleine Kinder und ältere Menschen füttern Tauben und Enten. Ich schlendere nur kurz durch die Anlage und steuere als nächstes die Tourist-Information an.

Die Statue der Molly Malone an der Ecke Grafton Street/Suffolk St - während meines Rundgangs durch Dublin komme ich gleich mehrmals an ihr vorbei.

Die Statue der Molly Malone an der Ecke Grafton Street/Suffolk St – während meines Rundgangs durch Dublin komme ich gleich mehrmals an ihr vorbei.

Über die ganze Stadt verteilt finden sich Büros der Tourismusbehörde von Irland – zu erkennen am grünen „i“. Das Hauptbüro befindet sich in einer ehemaligen Kirche. Informationen habe ich genug. Ich möchte nur einen Blick auf das Gebäude werfen und die Toilette benutzen. Beides ist schnell erledigt und so finde ich mich schon bald am Dublin Castle und kurz danach an der Christ Church Cathedral wieder. Beide Sehenswürdigkeiten können besichtigt werden.

Nachdem mein Kopf schon voller Eindrücke ist, gebe ich mich mit dem Blick von außen zufrieden. Mein Weg führt weiter zur alten Stadtmauer und schließlich über die Brücke zu den Gerichtsgebäuden Four Courts. In unmittelbarer Nähe liegt die Old Jameson Distillery. Wer möchte, bekommt hier einen Einblick in irischen Whisky. Nennt mich ruhig Banausin, weil ich das ausgelassen habe 🙂

Detail am Gerichtsbäude Four Courts in Dublin

Detail am Gerichtsbäude Four Courts in Dublin

An dieser Stelle steige ich doch kurz auf öffentliche Verkehrsmittel um. Im Gegensatz zum Bussystem ist die Straßenbahn namens LUAS leicht zu durchschauen – es gibt allerdings auch nur zwei Linien. Ich fahre jedenfalls für zwei Euro auf der Red Line bis Spencer Dock.

Von den Docklands bis zur Ha’Penny Bridge

Die Dublin Docklands sind vergleichbar mit der Hamburger Hafencity. Entlang der alten Hafenbecken entstanden und entstehen moderne Bürogebäude, Einkaufszentren und Wohnungen. Vor ein paar Tagen war ich schon einmal hier, um mir die Riverdance-Vorstellung im Bord Gàis Energy Theatre anzusehen. Dieses Mal habe ich aber mehr Zeit und vor allem Tageslicht, um mich umzusehen.

Am Fresh Supermarkt decke ich mich mit einem Sandwich ein und beobachte die Menschen um mich herum, die aus ihren Büros heraus in die Mittagspause strömen. Gesprochen wird in allen Sprachen – kein Wunder, finden sich hier doch internationale Unternehmen und Banken. Auch Google sitzt gleich nebenan.

Frisch gestärkt gehe ich den Fluss Liffey entlang zurück zum Stadtzentrum, vorbei am Famine Memorial, dem Denkmal, das an die große Hungersnot erinnert, die Irland die Hälfte seiner Einwohner gekostet hat. Wer nicht den Hungerstod gestorben ist, hat das Land verlassen, in der Regel Richtung Amerika. Auf dem Museumsschiff Jeanie Johnston kann man in diese Zeit eintauchen.

An der O’Connell Bridge zeugt das O’Connell Denkmal von einer weiteren für Irland schrecklichen Zeit. Einschusslöcher in dem Denkmal für den Freiheitskämpfer erinnern an den Osteraufstand von 1916, bei dem irische Republikaner bei dem Versuch scheiterten, die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien zu erlangen.

Ich laufe noch ein Stück weiter den Fluss entlang und überquere ihn erneut an der Ha’Penny Bridge. Eigentlich heißt die Brücke schlicht Liffey Bridge. Aber da ihre Überquerung früher einen halben Penny kostete, hat sich der Name Ha’penny Bridge bis heute durchgesetzt.

Von der Temple Bar zum Trinity College

Nach dem Gang über die Ha’Penny Bridge stehe ich im Temple Bar District, dem Viertel für vergnügungssüchtige Backpacker. Besonders am Abend und in der Nacht ziehen hier ganze Horden von Pub zu Pub und versuchen natürlich auch, einen Blick in die namensgebende Temple Bar zu werfen. Jetzt am Tage ist es eher ruhig und auf mich übt ein Süßigkeitenladen sowieso größeren Reiz aus.

Die Temple Bar im gleichnamigen Stadtteil - besonders zum Abend beliebte Sehenswürdigkeit Dublins

Die Temple Bar im gleichnamigen Stadtteil – besonders zum Abend beliebte Sehenswürdigkeit Dublins

In Auntie Nellie’s Sweet Shop decke ich mich mit Schokolade und Fudge als Mitbringsel ein. Meine süße Stärkung für den restlichen Weg hole ich mir in Keogh’s Café. Unsere Reiseleitung während der Tour auf dem Wild Atlantic Way hat das Café wärmstens empfohlen. Nach dem Genuss eines Himbeer-Scones kann ich mich für diesen Tipp nur bedanken.

Aunt Nellie's Sweet Shop im Temple Bar District in Dublin

Aunt Nellie’s Sweet Shop im Temple Bar District in Dublin

Nach der süßen Stärkung grüße ich an der Grafton Street kurz Molly Malone und lasse mich dann einfangen von der Atmosphäre des Trinity College. Das Trinity College ist eine der sieben ältesten Universitäten Großbritanniens. Die historische Architektur wirkt schon auf mich als Besucherin einschüchternd – wie muss es erst sein, hier zu studieren? Einen Blick in die historische Bibliothek riskiere ich dann aber doch.

Der Ausstellung zum Book of Kells widme ich nur einen kurzen Blick. Mich zieht es weiter in den Long Room, in dem kluge Köpfe auf mich schauen, aber auch gerade eine Ausstellung zur Musikgeschichte gezeigt wird. Bei einem Blick auf die Partitur von Händels Messias möchte ich spontan los singen. Ich kann mich aber gerade noch bremsen. Ich möchte nicht riskieren, die Geister zu wecken, die ganz sicher zwischen den alten Buchdeckeln schlummern.

Wieder draußen an der frischen Luft bin ich platt – geschafft von den vielen Eindrücken und Kilometern, die ich in sieben Stunden zurückgelegt habe. Aber es hat sich gelohnt: Dublin zu Fuß würde ich jederzeit wieder dem Dubliner Bussystem vorziehen.

Hier könnt ihr meinen Stadtrundgang durch Dublin auf der Karte verfolgen:

Route 3.148.033 – powered by www.wandermap.net


Noch mehr Impressionen von dem Stadtrundgang:

Und hier noch ein paar der schönsten Dubliner Türen:

Ihr habt bis zum Ende gelesen? Vielen Dank für euer Interesse!

Hier noch einmal der Link zum PDF-Download bzw. direkt zur Route auf wandermap.net.

Wart ihr auch schon in Dublin? Dann freue ich mich auf eure ganz persönlichen Tipps in den Kommentaren. Stellt mir auch gern eure Fragen und ich versuche sie, so gut es geht zu beantworten 🙂

5 Kommentare

  1. Ah Dublin. Ich vermisse es so! Ich war so glücklich da für ein paar Monate zu leben und möchte so gern zurück.

  2. Lilli sagt

    Ich bin momentan in Dublin und kann dir nur zustimmen. Das Bussystem ist die reinste Katastrophe! Aber man kann zu Fuß auch alles super erkunden. Bin sogar eine recht ähnliche Route gelaufen wie du 😀

  3. Liebe Carolin, vielen Dank für diesen wunderschönen Einblick in deine Dublin-Reise! Ich war vor gefühlten Ewigkeiten in Dublin und kann mich nur noch vage erinnern. Was mir in Erinnerung geblieben ist, sind die tollen Fassaden und farbenfrohen Türen der Wohnhäuser. Wer länger in Irland bleibt, sollte auch unbedingt Galway im Westen einplanen und einen Ausflug auf die Aran Islands! Lieben Gruß, Katrin von ilovetravelling

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