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Bremen-Berlin: Fernbus gegen Bahn

Mein Fernbus am Busbahnhof Berlin

Gefühlt bin ich ständig in Berlin: ITB im März, republica im Mai, The Hive im August… Und immer fahre ich mit dem Zug dorthin und sehe von Berlin nicht mehr als den Bahnhof und den Veranstaltungsort. Das sollte sich nun ändern. Für ein goldenes Septemberwochenende hatten wir uns ein Touri-Programm vorgenommen, so richtig mit Stadtführung und Spreefahrt. Aber dafür mussten wir erst einmal nach Berlin kommen. Nachdem ich die Zugstrecke schon im Schlaf kenne, ging es dieses Mal mit einem Fernbus Richtung Hauptstadt. Hier mein kleiner, völlig subjektiver, Vergleich der beiden Fortbewegungsmittel:

Preis

Ich besitze eine Bahncard 25 und bin inzwischen Profi im Sparpreis-Finden. Die Planungen für das Berlin-Wochenende bin ich aber recht spontan angegangen. Bei vier Wochen Vorlaufzeit hätte mich die Hin- und Rückfahrt im IC 2. Klasse etwa 80 Euro gekostet. Die gleiche Strecke gab es bei MeinFernbus.de für 44 Euro.
Klarer Punkt für: MeinFernbus.

Sauberkeit und Komfort

Habt ihr euch jemals Gedanken über das soziale Gefüge auf einer Reise gemacht? Ich auch nicht (jedenfalls nicht oft), bis ich die blitzblanken Toiletten im Fernbus gesehen habe. Auf der recht langen Fahrt sind die einzelnen Passagiere recht häufig auf die Bordtoilette gegangen. Sie sahen trotzdem auch nach mehrmaliger Benutzung noch tipptopp aus. Ich vermute, dass die soziale Kontrolle einer überschaubaren Gruppe stärker wirkt als die Anonymität eines Zuges. Spannendes Thema, aber ich schweife ab. Der Fernbus machte jedenfalls einen deutlich saubereren Eindruck als die Bahn. Dafür ließ der Komfort etwas zu wünschen übrig. Die Sitze sind zwar durchaus bequem, aber der Abstand zum Vordermann bzw. zur Vorderfrau ist schon recht gering. Und das sage ich mit meinen kurzen Beinen. Außerdem macht sich irgendwann auch die lange Fahrzeit in Rücken und Beinen bemerkbar. In der Bahn könnte ich zum Ausgleich wenigstens im Zug rumlaufen. Das fehlt im Fernbus natürlich.
Also, Punkt für die Sauberkeit an MeinFernbus, für den Komfort an Die Bahn.

Der Esel im Fernbus

Verbindungen und Fahrzeit

MeinFernbus fährt derzeit die Strecke viermal täglich. Die Fahrt dauert dabei etwa 4,5 Stunden. Mit der Bahn kann ich über Hamburg und demnächst auch wieder über Hannover fast stündlich in etwa 3 Stunden nach Berlin fahren. Bei den Fahrzeiten sind Staus und Verspätungen natürlich nicht eingerechnet. Auf meiner Hinfahrt am Freitagabend mit dem Fernbus kamen wir eine Stunde später an als geplant, bei der Rückfahrt waren es ganze zwei Stunden. Ich hatte damit aufgrund der Baustellen auf der A2, verbunden mit dem Wochenendverkehr, gerechnet, ärgerlich war es trotzdem.
Im Falle von Verspätungen gibt es bei der Bahn feste Regelungen für Entschädigungen, diese fehlen bislang für Fernbuslinien. Allerdings hat sich MeinFernbus in diesem Fall als sehr zuvorkommend erwiesen: Ich hatte kaum mein Gepäck zuhause abgestellt, als ich per SMS eine Entschuldigung für die Verspätung inklusiver der Gutscheincodes für zwei Freifahrten vorfand. Vielen Dank für diese angenehme Überraschung.
Insgesamt betrachtet geht der Punkt für Fahrzeit und Verbindung an: Die Bahn.

Service an Bord

Gelegentlich gibt es in der Bahn WLAN-Hotspots über die Telekom, die ich nicht nutzen kann, da ich kein Kunde bei der Telekom bin. Die Busse von MeinFernbus sind testweise mit WLAN ausgestattet. Auf der Hinfahrt saß ich in einem Bus, der das WLAN noch nicht an Bord hatte, auf der Rückfahrt hat es streckenweise sehr gut funktioniert.
Bordverpflegung gibt es im Zug im Bordrestaurant zu recht hohen Preisen. Bei MeinFernbus gibt es an Bord Snacks (Schokoriegel) für einen Euro und Getränke für 1,50 Euro.
Punkt für: MeinFernbus.

Service von Draußen

Sorry, mir fiel keine bessere Überschrift dafür ein, wie ich Kontakt außerhalb des Fortbewegungsmittels herstelle. Ich bin ja passionierte Twitterin. Von daher finde ich es großartig, dass ich auf Fragen und Kommentare binnen Minuten eine Antwort von @DB_Bahn erhalte. Nicht immer ist die Zugleitung für Fragen in der Nähe. Der Twitter-Account von @meinfernbus scheint am Wochenende nicht besetzt zu sein. Das ist vielleicht etwas ungünstig, wenn das doch für viele die Hauptreisezeit ist. Es gibt zwar eine telefonische Service-Nummer, aber so ein Tweet ist halt schneller abgesetzt als eine Nummer gewählt.
Punkt für: Die Bahn.

Stimmung an Bord

Kegelvereine auf Wochenendtour, grölende Fußballfans, Kreuzfahrttouristen, für die das Wort „Reservierung“ völlig neu ist – man trifft schon so einige nervige Gestalten in Zügen. Aber wenigstens besteht die Chance, dass sie am nächsten Bahnhof aussteigen, und die Möglichkeit, sich selbst einen neuen Sitzplatz zu suchen. Im Bus gibt es diese Möglichkeit leider nicht. Man ist mit den gleichen 50 Personen für die Gesamtstrecke quasi im Gefährt gefangen. Da kann die Stimmung an Bord schon sehr wichtig sein. Auf der Hinfahrt nach Berlin war sie trotz Verspätung in Ordnung. Wohl auch, weil etwa bei Magdeburg der Fahrer gewechselt wurde und es damit keine gesetzlich vorgeschriebene Zwangspause gab. Auf der Rückfahrt ist die Stimmung leider ins Negative gekippt. Erst wurden die Nerven der Raucherfraktion durch die vielen Staus auf die Probe gestellt und dann die derjenigen, die möglichst schnell nach Hause wollten, da der Fahrer tatsächlich kurz vorm Ziel eine 30minütige Pause einlegen musste. Sagen wir, die Nerven lagen irgendwann bei allen blank. Das war zum Abschluss eines sonst recht schönen Berlin-Wochenendes suboptimal. Die Gutscheine für die Verspätung haben meine persönliche Stimmung dann immerhin wieder aufgehellt.
Der Punkt geht hier jedoch an: Die Bahn.

Fazit

Bahn oder Fernbus – jedes Fortbewegungsmittel hat so seine Vor- und Nachteile. Unschlagbar bei MeinFernbus ist natürlich der Preis. Die Bahn punktet dafür bei Fahrzeit und Komfort. Die Frage ist also, worauf ihr persönlich mehr Wert legt. Ich werde wohl im Einzelfall schauen, was für mich persönlich günstiger ist – ob ich ein enges Zeitfenster habe und deshalb schneller zum Ziel kommen möchte, oder ob mein Reisebudget wieder so geschröpft ist, dass ich möglichst sparsam zum Ziel kommen möchte. Für meine nächste Reise nach Berlin in zwei Wochen habe ich das Zugticket schon gebucht. Aber auch MeinFernbus bekommt noch eine Chance. Mal schauen, wohin mich der Bus als nächstes bringt 🙂

Bei Phil von Killerwal.com könnt ihr sein Urteil zu MeinFernbus nachlesen. Verpasst aber nicht seinen Bericht zur Rückfahrt.

Wie steht es mit euch: Habt ihr schon Erfahrungen mit den Fernbussen gemacht?

Für die Fahrt mit MeinFernbus erhielt ich Freifahrten für zwei Personen. Meine Meinung bleibt davon unberührt.

1 Kommentare

  1. Eine sehr gute Gegenüberstellung. Wie du hier aber auch erwähnt hast, jedes Bewegungsmittel bringt seine Vor- und Nachteile mit sich, aber am Ende spielt der Preis natürlich auch eine sehr große Rolle, so dass der ein oder andere sicherlich auch auf Komfort verzichtet.

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