Alle Artikel in: Städtetrips

Der Esel vor der Hafenkulisse von St. Tropez

Auf der Jagd nach dem „Gendarm von Saint-Tropez“

„Ich fahre dich bis ans Ende der Welt, wenn es sein muss.“ Gibt es eine schönere Liebeserklärung vom besten Mann der Welt? Gerade habe ich ihm erzählt, dass ich einen Hotelgutschein für Marseille gewonnen habe. Ich war ohnehin dabei, unseren Roadtrip durch Frankreich zu planen, aber ein Abstecher ans Mittelmeer war mir bisher zu weit und daher nicht vorgesehen. Nun also auch noch Marseille. Der Mann wirft einen Blick auf die bisherige Reiseroute und die Landkarten. „Oh, Marseille ist doch super. Dann können wir einen Ausflug nach Saint-Tropez machen.“ Woher kam das denn nun wieder? Ich verband mit Saint-Tropez nur die gleichnamige TV-Serie, die vor Jahren im Nachmittagsprogramm lief, wenn ich aus der Schule kam und erst einmal etwas abschalten wollte. Als Reiseziel erschien es mir nicht sonderlich attraktiv. Mit leuchtenden Augen erzählt mir der Mann dann von den Filmen mit Louis de Funès. Er liebt diesen Humor und möchte die Gelegenheit nutzen, auf Spurensuche an Originalschauplätzen zu gehen. Den „Gendarm von Saint Tropez“ spielte de Funès erstmals 1964 und dann noch fünf weitere Male. …

#vor10Jahren – Ein Gefängnis am Ende der Welt

[14.03.2006] Mein letzter Tag in Ushuaia verlief so unspektakulär, dass ich weder einen Eintrag in meinem Reisetagebuch hinterlassen habe noch Etwas in den E-Mails nach Hause angemerkt hätte. Auch Fotos habe ich ganz offensichtlich nicht gemacht, zumindest konnte ich keine mehr finden. Zur Kommunikation nach Hause: Da ich ja kein Handy mitgenommen hatte, war ich vollends auf öffentliche Kommunikationsmittel angewiesen. Diese ließen sich aber sehr leicht finden: Zum einen gab es ausnahmslos in jeder Jugendherberge internetfähige PCs, deren Benutzung meistens sogar kostenlos war, zum anderen gab es auch am Ende der Welt Läden, bei uns oft Call Shops genannt, von denen man aus günstig surfen und telefonieren konnte – im Spanischen mit Locutorio überschrieben. Insgesamt konnte ich jedenfalls recht regelmäßig Lebenszeichen geben, auch wenn meine Mutter bei einigen Tagen Funkstille doch ein wenig nervös wurde. Heute jedenfalls habe ich noch dem ehemaligen Gefängnis, dem Presidio, einen Besuch abgestattet. Puppen in Sträflingskleidung und Fotos vermittelten einen kleinen Eindruck vom Leben im Gefängnis. Alles in allem aber recht unspektakulär. Für mich hieß es an diesem Tag eh …

Typische bunte Wellblechfassade im Touristenviertel La Boca in Buenos Aires

#vor10Jahren – La Boca und Werder

[22.02.2006] Der Tango gehört zu BA wie Werder zu Bremen – basta! Tangomusik habe ich mir heute in La Boca angehört. Bunte Wellblechfassaden, tanzende Pärchen und Straßenmaler bestimmten das Bild – vergleichbar mit dem Place Pigalle in Paris. Bestimmte Teile des Viertels sind für Touristen aufgehübscht, spiegeln aber nicht unbedingt das wahre Leben wider. Denn eigentlich gehört La Boca mit zu den Armenvierteln von BA. Zeichen für das richtige Leben sind Hinterhof-Fußballplätze, die verlassene Stahlbrücke, ein Fährservice mit Ruderbooten und Polizisten, die einen auffordern, in den nächsten Bus zu steigen oder in die andere Richtung zu gehen, weil die Gefahr, des Ausgeraubtwerdens zu groß sei. Diese Bilder sollte man zumindest im Hinterkopf haben, wenn man sich von dem Touristentrubel in bunter Kulisse blenden lässt. Irgendwann hatte ich dann auch genug davon und bin lieber noch ein wenig in der Innenstadt bummeln gegangen. Zum Thema „Innenstadt“: Als die spanischen Kolonialherren Städte in Südamerika neu gegründet haben, haben sie sie sehr einfach schachbrettartig konzipiert. Das macht die Orientierung in der Stadt sehr einfach. Bei einer Großstadt wie …

Touristen vor dem Grab von Eva Peron auf dem Friedhof von Recoleta, Buenos Aires

#vor10Jahren – Leben und Tod in Buenos Aires

[21.02.2006] Also, obwohl ich nicht morbide veranlagt bin, finde ich Friedhöfe toll. Inmitten lauter Großstädte sind sie Ruheoasen und den Vergleich unterschiedlicher Bestattungskulturen finde ich spannend. Deshalb zog es mich heute dann zum Friedhof von Recoleta. Am Eingang gab es einen kleinen Plan über verschiedene Grabstellen und den Hinweis, wenn ich zu Evita wolle „just follow the crowds“. Tatsächlich war es vor dem Grab der ehemaligen Präsidentengattin auch sehr voll von Menschen. Scheinbar wird Evita noch immer von vielen Argentiniern verehrt. Mich hat auf dem Friedhof die Geschichte eines jungen Mädchens viel mehr berührt. Sie war bei einem Ski-Unfall tödlich verunglückt. Ihre Eltern hat das so getroffen, dass sie ihr ein Denkmal gesetzt haben. Nach diesem Ausflug ins Totenreich ging ich dann in den Zoo. Dieser bot mir einen guten Einstieg in die heimische Fauna, die ich im weiteren Verlauf meiner Reise noch besser kennenlernen sollte. Leider konnte man bei vielen Gehegen nicht unbedingt von artgerechter Tierhaltung reden. Viele Tiere lagen ungeschützt in der prallen Mittagssonne mehr oder weniger apathisch rum. Aber der Zoo von …

Ein Platz im Herzen von Buenos Aires, Argentinien

#vor10Jahren – Buenos Aires entdecken

[20.02.2006] Weil es so schön war, hier der fast unveränderte Originaltext aus einer E-Mail an die Heimat vom 20. Februar 2006: Wie vermutet, hat sich BA heute ganz anders präsentiert. Gestern, am Sonntag, lag die Stadt wohl im Schlummer. Heute jedenfalls hat sie sich in der gleichen Hektik präsentiert wie auch schon Rio vorher. Heutemorgen habe ich mich als erstes auf den Weg zum Busbahnhof gemacht, um mein Ticket nach Puerto Madryn (für Donnerstag) zu kaufen. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich wohl das Talent besitze, in falsche Busse einzusteigen. Na ja, wenn man es genau nimmt, war es der richtige Bus in die falsche Richtung. Auf diese Weise kriegt man wenigstens eine günstige Stadtrundfahrt. Am Donnerstag werde ich aber die U-Bahn zum Terminal (Busbahnhof) nehmen. Erstens kann man da nicht viel falsch machen, zweitens ist sie 10 Centavos günstiger und drittens kann es einem passieren, dass der Busfahrer jemanden mit viel Gepäck nicht mitnimmt. Wie auch immer, das Busfahren hier schreckt mich jedenfalls auch nicht so ab wie in Rio. Was mich überrascht hat, …

Der Obelisk an der Avenida de 25 Mayo in Buenos Aires

#vor10Jahren – Ein Sonntag in Buenos Aires

[19.02.2006] Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, Ruhe – so lässt es ich doch ganz gut aushalten. Heute wäre die Möglichkeit gewesen, von der Jugendherberge aus zum Fußball, zu den berühmten Boca Juniors, zu gehen. Nur leider hatte sich mein Bargeld-Problem noch nicht gelöst, weswegen ich auf dieses Erlebnis verzichten musste. Stattdessen bin ich auf den Flohmarkt von San Telmo gegangen. Das war allerdings auch ganz schön gemein: Tolle Dinge sehen und sie nicht kaufen können. Ich brauchte unbedingt eine neue Batterie für die Armbanduhr meiner Mutter. Diese hatte sie mir im letzten Moment am Flughafen mitgegeben, als ich feststellte, dass ich ohne Handy ja auch ohne Uhr bin. Blöderweise blieb die Uhr gleich am zweiten Tag stehen. Na ja, der Bummel an sich war auch nett. Danach ging ich über den Puerto Madera, dem Hafenviertel, dass nun zum Geschäfts- und Wohnviertel umgebaut wurde (vergleichbar mit der Überseestadt in Bremen) zum Strand. Der Casa Rosade (dem Präsidentenpalast) habe ich auch noch einen Besuch abgestattet. Auch wenn der Tag heute insgesamt total schön war, hatte ich ein wenig …

Selfie mit Selbstauslöser im Botanischen Garten von Rio de Janeiro

#vor10Jahren – Abschied von Rio

[10.02.2006] Mich hat es heute in den Botanischen Garten gezogen – Eine Oase mitten in der Stadt. Dort habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, die Selbstauslöserfunktion meiner Kamera zu testen. In zehn Sekunden über Treppenstufen zu sprinten war schon eine sportliche Herausforderung. Aber es waren auch einfach kaum andere Besucher im Garten, die ich um Fotos hätte bitten können. Den Nachmittag habe ich dann in Ruhe in der Hostel verbracht. Gewaltige Regenfälle luden aber auch nicht dazu ein, noch einmal vor die Tür zu gehen. Da war es schon netter, zusammen mit anderen Gästen die Eröffnungszeremonie zu den Olympischen Winterspielen in Turin im Fernsehen anzusehen. Da sitzt man selbst bei 30 °C im Schatten in Brasilien und trieft vor Schweiß und sieht sich dabei schneeweiße Winterlandschaften an. Morgen erwartet mich dann eine 22-stündige Busfahrt nach Iguazu. Ich hätte wohl noch den ein oder anderen Zwischenstopp einlegen können, aber im Moment verfolge ich ja immer noch den Plan, innerhalb von 14 Tagen nach Feuerland zu kommen, um dann viel Zeit in Chile zu verbringen. (An …

Wenn nachmittags Wolken aufziehen, kann man von der Christusstatue in Rio leider nichts mehr sehen.

#vor10Jahren – Christusstatue und Busabenteuer in Rio

[09.02.2006] Ein paar Worte zum Bussystem in Rio: Die Stadt ist sehr groß und die oftmals mehrspurigen Straßen werden gern als Einbahnstraßen befahren. Das hat zur Folge, dass die Busse in einer Richtung eine andere Strecke fahren als in der Gegenrichtung. Außerdem fahren die Busse nicht unbedingt an den rechten Fahrbahnrand, um Passagiere aufzunehmen bzw. herauszulassen, sondern halten gerne mal auf der Mittelspur, weswegen sich der mutige Bustourist dann zwischen den fahrenden Verkehr werfen muss. Na ja, nach drei Tagen hatte ich den Dreh ganz gut raus. Mein erster Weg an diesem Tag führte mich jedenfalls zum Busbahnhof, wo ich mir ein Ticket nach Iguazu gelöst habe. Mit meinen Spanischkenntnissen komme ich auch hier ganz gut zurecht. Außerdem hat es geholfen, dass am Ticketschalter ein Plakat von Iguazu hing und ich nur darauf zeigen musste, um mich verständlich zu machen. Nachdem diese Aufgabe erledigt war, machte ich mich auf den Weg zum Corvocado, um der Christusstatue aufs Dach zu steigen. Ein Tipp für alle nachfolgenden Besucher: Am Nachmittag ziehen meist so viele Wolken auf, dass …

Die Christusstatue in Rio de Janeiro im Nebel

#vor10Jahren – Ankommen in Rio

[08.02.2006] Oh je, über den Flug will ich gar nicht viel Worte verlieren. Nur soviel: Es war grauenhaft. Ewig lang und nicht geschlafen. Dann auch noch eine Zwischenlandung in Sao Paulo, bevor ich bei + 30 °C hier in Rio aus dem Flieger gepurzelt bin. Nach der Einreiseprozedur erwartete mich die nächste Hürde gleich im Bus, der mich zur Jugendherberge im Stadtteil Botafogo bringen sollte. Gleich nach dem Einstieg hinter dem Fahrer befand sich ein Drehkreuz, an dem ein Ticketverkäufer saß. Das Ticket kaufen war kein Problem, aber meinen schweren Rucksack über das Drehkreuz hieven schon. Ein freundlicher Brasilianer kam mir aber zu Hilfe, hat mir während der Fahrt gleich ein paar Dinge links und rechts an der Strecke erklärt und mir schließlich auch den Weg zur Jugendherberge gezeigt. In der Jugendherberge angekommen fiel mir als erstes ein Reisender ins Auge, der offensichtlich am Vortag zusammengeschlagen und ausgeraubt wurde. Schöne Begrüßung. Das macht doch Mut, die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Ich selbst entschloss mich, die Zeit besser zu nutzen und schon das erste …

Pyramide und Schwarzwaldstübchen auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt

Mit Bruno, Heinrich und dem Zeitreisenden in Braunschweig (mit Verlosung)

Man sollte meinen, ich kenne Braunschweig ganz gut: Meine Schwester ist vor knapp 20 Jahren zur Ausbildung nach Braunschweig gezogen und ich habe sie in meinen Ferien öfter besucht, bin durchs Magniviertel geschlendert oder war einfach nur in der Innenstadt shoppen. Nur zum Braunschweiger Weihnachtsmarkt habe ich es irgendwie nie geschafft. Dabei liebe ich doch die Adventszeit und lerne gern neue Weihnachtsmärkte kennen. Da kam die Einladung vom Braunschweiger Stadtmarketing wie gerufen und so ging es am Nikolauswochenende für zwei Tage in die Löwenstadt, um ein wenig Adventsluft zu schnuppern. Die Anreise nach Braunschweig ist dank Bahn und Niedersachsenticket ganz entspannt – wohl auch, weil ich das Reisebaby in den fürsorglichen Händen des Papas gelassen habe und allein gefahren bin. So komme ich deutlich bequemer durch das Getümmel am Wochenende. Gerade zum Feierabend (am Freitagnachmittag) füllt sich der Braunschweiger Weihnachtsmarkt sehr schnell und ohne Kinderwagen ist das Vorankommen wesentlich schneller. Rund um den Braunschweiger Weihnachtsmarkt Aber so schnell muss es gar nicht gehen, ich habe ja Zeit. Mit der Gästeführerin Ulla Billmann streife ich durch …